Das Glück der Erde liegt…

…. auf zwei Kufen und ziemlich glattem Eis.

Freitag morgen, 6.30 Uhr, -15° Celsius Aussentemperatur, die Sonne versteckt sich noch tief hinter den Kärntner Alpen. Otto de Boer zieht seinen Schal fester um den Hals und eine Stirnlampe auf den Kopf. Mit ihm zusammen haben sich weitere 1.500 Frühaufsteher im beschaulichen Örtchen Weissensee in Österreich versammelt und fiebern dem Startschuss entgegen – dem Startschuss für ein ungewöhnliches, aber inzwischen traditionelles Spektakel: der „Alternativen holländischen 11-Städte Tour“. Schauplatz ist die grösste Natureisfläsche Europas: der Weissensee.

Otto de Boer ist Mitarbeiter der ASH Group am Standort Holen (NL). Seine Leidenschaft ist das Eislaufen – eine Sportart, die in den Niederlanden Dimensionen angenommen hat, wie wir es in der Schweiz, Österreich oder Deutschland nur vom Skisport kennen. Der 45jährige Holländer aus der Nähe von Holten stand bereits mit 5 Jahren zum ersten Mal auf dem Eis – mit einem alten Stuhl, den er als Stütze vor sich herschob. „Wenn man in den Niederlanden wohnt und es Winter wird, dann geht man auf`s Eis, das war schon immer so.“ Mal eben eine Tour von 40 bis 100 Kilometer auf den Seen und Kanälen zu unternehmen, sei dann nichts Besonderes, so de Boer. Das Highlight für jeden Eisläufer: die „Elfstedentocht“ (friesisch für Elfstädtetour). Diese führt seit Ende des 19. Jahrhunderts auf einer Strecke von 200 Kilometern über 11 Städte in Friesland. Die letzte Elfstedentocht liegt allerdings schon etwas zurück, genauer gesagt 13 Jahre. Denn zum Leid der Sportler sorgt die klimatische Erwärmung für immer mildere Winter – schlechte Voraussetzungen also, wenn man auf eine zentimeterdicke Eisschicht auf den Gewässern angewiesen ist. Daher packte man in den Niederlanden die Kufen ein und fand jenseits der Grenzen ein neues Paradies für Eisläufer: den Weissensee. Bereits zum 27. Mal war Kärntens höchstgelegener See nun Ende Januar Austragungsort der alternativen holländischen 11-Städte Tour. Mehr als 5000 Gäste versammelten sich an Österreichs „Naturspielplatz“. Auch Otto de Boer war wieder angereist. „ Für mich zählt vor allem, dabei zu sein und den Sport und die Natur geniessen zu können. Klar, will ich auch nicht als Letzter durch`s Ziel fahren. Profis schaffen die Strecke in 6 Stunden, ich lasse mir mehr Zeit und bin meist nach 9 – 10 Stunden im Ziel. Aber schliesslich muss auch noch genug Puste übrig sein, um am Abend mit den anderen auf dem „Blasenball“ zu feiern. Wir Eisläufer sind wie eine grosse Familie, man trifft sich jedes Jahr am Weissensee, es ist eine ganz besondere Atmosphäre“. Otto de Boer gerät in`s schwärmen, wenn er über die zurückliegenden Tage in Österreich berichtet. Bei der Frage, was ihn besonders an der Sportart fasziniert, muss er nicht lange überlegen. „Die körperliche Arbeit ist ein Ausgleich zu meiner Arbeit im Büro. Beim Eislaufen kann ich abschalten. Die Natur vorbeiziehen zu sehen und nichts zu höre, ausser das Gleitern der Kufen auf dem Eis, das ist Entspannung pur. Wenn ich dann nach 200 Kilometern das Ziel erreiche, ist das einfach ein gutes Gefühl und ich stelle immer wieder fest: ein Mensch kann mehr leisten, als er denkt.“

Bestimmte Regeln gibt es übrigens nicht. „Wer nach 100 Kilometern das Gefühl hat, es geht nicht mehr, der hört einfach auf.“ Und die Strapazen für diese Sportart sind nicht zu unterschätzen. Bereits im Oktober beginnt de Boer mit dem Training in der Eishalle. Zweimal pro Woche, jeweils zwei Stunden, oder anders ausgedrückt, rund 50 Kilometer pro Training. Im Sommer werden Muskeln und Kondition dann mit Volleyball und Joggen auf Trab gehalten. „Für jede Distanzsportart ist „doorzettingvermogen“ nötig, wie es bei uns heisst, also Kraft und Ausdauer. Ohne dem ist es nicht zu schaffen. Aber das braucht es ja nicht nur im Sport, sondern generell im Leben.“

Ein Ziel hat de Boer noch, wenn es um das Eislaufen geht: in Schweden auf`s Glatteis begeben und an einer ähnlichen Tour wie in Österreich teilnehmen. Dazu brauche es aber ein paar Tage länger Urlaub, und das sei gerade im Wintergeschäft schwierig zu realisieren. Daher geniesst Otto de Boer die drei Tage in Österreich immer besonders. Ob die lange Distanz von 1100 Kilometern zwischen Holten und dem Weissensee nicht recht beschwerlich ist, wollen wir noch wissen. „Ganz im Gegenteil. Mir begegnen dann ja auf der Autobahn unsere tollen Winterdienstfahrzeuge im Einsatz. Das macht nicht nur gute Laune, sondern immer auch ein bisschen stolz.“ Wir wünschen allzeit gute Fahrt und immer „eine Handbreit Eis unter den Kufen“.

Otto de Boer arbeitet seit Otto de Boer_r.jpg2001 am Standort Holten bei der Aebi Schmidt Nederland BV. Als Servicemanager Export ist er die Schnittstelle zwischen dem Werk, den Serviceabteilungen der Ländervertriebsgesellschaften  und den ausländischen Handelsvertretungen. In seiner täglichen Arbeit unterstützt er von Kanada bis Japan Kollegen und Händler in technischen Fragen zu den Produkten, übernimmt technische Schulungen und ist Ansprechpartner für Garantieabwicklungen.