Barbara Bürgisser goes Carnegie Hall in New York

Dienstagabend, 13. Juni 2017, 20.00 Uhr. Barbara Bürgisser, schwarz angezogen, konzentriert und mit erwartendem Blick zum Dirigenten. Sie sitzt in der 3. Reihe und ist bereit für Ihren ersten Einsatz in der weltberühmten Konzerthalle Carnegie in New York. Jetzt ist es soweit, der Dirigent erhebt den Taktstock, die Zuschauer verstummen und lauschen andächtig der Welturaufführung des Stückes „Vox Populi“ von Brett Keüper Abigana. Barbara ist eine von 68 Musiker/innen im Ensemble der Stadtmusik Stockach.

Stadtmusik Stockach 5.jpgDer Weg in die Carnegie Hall
Einen Auftritt in der Carnegie Hall ist wahrlich nichts Alltägliches. Umso mehr ist es für die Stadtmusik Stockach eine grosse Ehre mit Ihrem Ensemble in New York aufzutreten. Dass es nun soweit ist und Barbara mit von der Partie ist, kann sie kaum fassen. Aber erstmal zurück ins Jahr 1991, wo alles anfängt. Die junge Barbara trifft auf den aufstrebenden Dirigenten Helmut Hubov. Er möchte sie sofort in seinem Ensemble als Waldhorn-Bläserin haben. Sie kehrt jedoch der Deutschschweiz den Rücken und lebt mehrere Jahre in der Romandie. Erst 20 Jahre später treffen die beiden per Zufall wieder aufeinander und es ist sofort klar, dass Barbara bei der Stadtmusik Stockach mitwirkt. Es dauert zwar noch ein Weilchen bis klar ist, dass es nach New York geht. Trotzdem scheint es, als ob dies der Auftakt gewesen war auf dem Weg in die Carnegie-Konzerthalle.

Barbara, was fasziniert dich am Waldhorn?
Ursprünglich wollte ich Trompete spielen, ich bin eher durch Zufall auf das Waldhorn gestossen. Dieses Instrument fehlte in der damaligen Jugendmusik und so haben sie mich überredet, stattdessen das Waldhorn zu spielen. Besonders faszinieren mich die Klänge – in berühmten Hollywood-Filmen, wie Pirates of the Caribbean oder Jurrassic Park ist beispielsweise das Waldhorn die dramatische Komponente der Filmmusik. Ausserdem gibt es relativ wenige wirklich gute Amateur-Waldhornspieler. Unter diesen zu sein, macht mich schon etwas stolz.

IMG_3864Welche Emotionen hattest du beim Auftritt in der Carnegie Hall?
Die anfängliche starke Nervosität hat sich in pures Adrenalin verwandelt. Als unser Dirigent die Arme erhob und das Konzert begonnen hatte, durchströmte mich ein berauschendes Glücksgefühl. Die Atmosphäre in dieser akustisch makellosen Halle ist unbeschreiblich. Nur wenige Konzerthallen kommen an die Klangqualität der Carnegie Hall heran. Und New York ist einfach New York, das ist das Ziel eines jedes Musik-Ensemble.

Was sind deine Zukunftspläne?
Das nächste Ziel ist bereits gesteckt. Mit einem anderen Musikverein, der Stadtharmonie Winterthur-Töss, ist ein Auftritt beim Papst im Vatikan geplant. Wenn alles rund läuft, dürfen wir Ende September 2018 zum Bruder-Klausfest ein Konzert bei der Schweizer Garde spielen. Ein einmaliges Erlebnis, bei dem ich gerne dabei sein möchte. Wir drücken Barbara dabei die Daumen.

Barbara Bürgisser arbeitet seit Sommer 2016 bei der Aebi Schmidt International AG in Zürich und spielt das Waldhorn seit 35 Jahren.

Zeitungsartikel im Südkurier