eSwingo 200+ überzeugt auch am Flughafen

Düsseldorf Airport hat die vollelektrisch betriebene eSwingo 200+ während rund einer Woche getestet. Aufgrund der positiven Ergebnisse im Test, ist nun die Anschaffung einer Maschine geplant.  Der Flughafen schreibt in seiner Pressemitteilung: «Elektromobilität ist ein entscheidender Baustein in der Nachhaltigkeitsstrategie des Düsseldorfer Airports.»  Eine Kompaktkehrmaschine am Flughafen? Wir haben bei den Verantwortlichen am Flughafen nachgefragt, welche Rolle die Maschine in einem Umfeld spielt, das sonst von grossen Kehrgeräten dominiert wird.

Aebi Schmidt hat mit Helmut Didschun, Betriebsleiter Betriebshof Düsseldorf Airport, und Martin Ideler, Leiter Fahrzeugmanagement Düsseldorf Airport, anlässlich einer Betriebsabnahme – noch für ein konventionell betriebenes Modell – im Werk St. Blasien ein Gespräch führen können. Am Düsseldorf Airport stehen fünf Kompaktkehrmaschinen täglich im Doppelschichtbetrieb im Einsatz, je nach Bedarf sowohl auf der Luft- wie auch auf der Landseite. Während die grossen Kehrmaschinen ausschliesslich die Flächen reinigen, sind die Kompaktkehrmaschinen auf den Wegen dazwischen unterwegs. «Wir haben alleine entlang des Terminals über 90 Müll- und FOD-Behälter», sagt Helmut Didschun und fügt gleich an, dass es jedoch die grössere Herausforderung ist, die Wege vom Müll der Passagiere, vor allem aber von den Papierfetzen um die Cargo- und Koffer-Bandanlagen zu befreien, «es gibt diverse Stellen, die eine grosse AS990 gar nicht erreichen kann». Dass Sauberkeit Pflicht ist, haben wir auf diesem Blog von Helmut Didschun bereits vor vier Jahren erfahren. «Wir setzen die Maschinen aber auch bei Starkregen ein, um das Wasser aufzusaugen oder in Kombination mit den grossen Maschinen beim Glykol aufsaugen. Ein grosser Vorteil dabei ist, dass wir das aufgesaugte Wasser direkt ablassen und nicht auskippen müssen», sagt Didschun.

Von links: Ünal Yangin (Straßenreiniger), Rüdiger Burs (Leiter Real Estate Management), Helmut Didschun (Betriebsleiter Betriebshof), Martin Ideler (Leiter Fahrzeugmanagement)
[Foto: Andreas Wiese Fotografie, D-40479 Düsseldorf]

Deutlich höhere Beanspruchung der Maschinen

Die Maschinen sind konsequent im Doppelschichtbetrieb im Einsatz und – im Gegensatz zu den meisten Kommunen – entfallen am Flughafen Anfahrtswege mit reiner Fahrleistung fast komplett. Die Kehrbetriebsstunden und damit auch die Beanspruchung der Maschine sind am Flughafen also deutlich höher. «Am Flughafen sind auch Sondereinsätze wie Wasser saugen oder Bindemittel aufnehmen häufiger und vielfältiger als in Kommunen», ergänzt Martin Ideler. Ideler weiss, von was er spricht, da er vor seiner aktuellen Tätigkeit am Flughafen im Kommunalbereich tätig war. «Im Kommunalbereich fährt häufig ein Spezialfahrzeug zum Sondereinsatz. Am Flughafen können wir uns das aus betrieblichen Gründen nicht leisten, da müssen wir deutlich schneller und effektiver reagieren können», sagt Ideler.

Elektroantrieb ermöglicht produktivere Einsätze

Düsseldorf Airport kann auf bald 20 Jahre Erfahrung mit Kompaktkehrmaschinen zurück blicken. Nachdem das Team von Helmut Didschun das elektrisch betriebene Modell hat testen können, überzeugt in Bezug auf die operativen Prozesse vor allem, dass Tankfahrten entfallen. Der 60 Liter Tank beim konventionell mit Diesel betriebenen Modell reicht in der Regel für beide Schichten. Am Flughafen ist aber die Tankstelle nicht gleich beim Stellplatz des Fahrzeuges wie bspw. auf einem Werkhof in einer Kommune. Zum Tanken müssen die Fahrzeuge zu Tankstellen fahren, die aufgrund der Sicherheitsdispositive am Flughafen weit entfernt vom Einsatzgebiet der Kehrmaschinen sind. «Für eine Tankfahrt geht da gut und gerne eine halbe Stunde verloren, die wir nicht produktiv nutzen können», sagt Helmut Didschun. «Strom hingegen ist im Einsatzbereich an vielen Orten verfügbar und so kann man ohne Zusatzfahrten auf dem Stellplatz oder auch in der Mittagspause das Fahrzeug bzw. die Batterie direkt aufladen», erklärt Ideler und weist darauf hin, dass es am Flughafen auch nicht erlaubt ist, mit vollem Kehrbehälter in Sicherheitsbereiche zu fahren, wo die Tankstellen sind. Auch dies ein heute anfallender Zeitaufwand, der mit dem elektrisch betriebenen Modell in Zukunft entfallen wird.

Geringere TCO sind relevant, aber nicht der alleinige ökonomische Treiber

Wie Düsseldorf Airport bereits in der Pressemeldung ausführte, spielen nicht nur die ökologischen – der Flughafen will seinen CO2 Ausstoss bis 2030 halbieren – sondern auch ökonomische Faktoren beim Investitionsentscheid für elektrisch betriebene Fahrzeuge eine Rolle. «Unsere Erwartungshaltung ist ganz klar, dass der Wartungsaufwand reduziert wird, sprich: die Werkstattaufenthalte weniger werden. So wie es auch die Hersteller versprechen», sagt Martin Ideler. Ideler sagt aber auch, dass TCO zwar ein relevantes Kriterium sind, aber zur exakten Kalkulation die Erfahrungswerte noch fehlen. Deshalb auch der Entscheid des Flughafens, erst ein Fahrzeug im Dauereinsatz zu testen. Für den Betriebsleiter kommt aber noch ein ganz wesentlicher Faktor zum Tragen, der schwer zu beziffern aber der Erfahrung nach sehr wichtig ist: «Neben der stärkeren Beanspruchung, kommen so viele Besonderheiten im operativen Betrieb hinzu, die wir über die vergangenen Jahre konsequent entweder am Fahrzeug oder im Prozess angepasst haben. Dass wir nun mit der elektrischen Modellvariante nicht wieder von vorne beginnen müssen, sondern die ganze Erfahrung aus den vergangenen Jahren weiterhin nutzen können, spielt eine wesentliche Rolle und spart viel Zeit und Aufwand.» Hierzu gehört auch der entfallende Schulungsaufwand für die Fahrer. Sie finden sich mit wenigen Ausnahmen an ihrem gewohnten Arbeitsplatz wieder.

Vorfreude bei den Fahrern

Bereits heute besteht die Flotte der Flughafenzentrale nahezu vollständig aus umweltfreundlichen Fahrzeugen. Die Nachhaltigkeitsstrategie von Düsseldorf Airport sieht in den kommenden Jahren auch den Ausbau der Ladeinfrastruktur vor. Was die Kehrmaschinen angeht, will der Flughafen nun eine Maschine im Dauereinsatz testen, bevor über das weitere Vorgehen entschieden wird. Auf die Frage, was denn genau im geplanten Dauereinsatz noch intensiver geprüft wird, antwortet Helmut Didschun ohne zu Zögern: «Natürlich alles!» An der langjährigen Erfahrung anknüpfend und nach dem ersten Test ist Didschun zuversichtlich, dass sich auch das elektrisch betriebene Modell bewähren wird, weil es die identische Leistung und denselben Komfort bietet, insbesondere punkto Lärm sogar noch besser ist. «Aber», sagt Didschun, «das wollen wir in der Praxis nun testen und mit den Zahlen und Erfahrungswerten vergleichen, die wir für die Dieselfahrzeuge in den vergangenen Jahren gesammelt haben». Auf die Frage hin, ob bei den Fahrern eher Freude oder Skepsis bzgl. der neuen Maschine herrscht antwortet Didschun ohne Zögern: «Die freuen sich fest – nach den ersten Testfahrten sogar noch mehr als zuvor.»