Desinfizieren statt reinigen. Geht das?

Einige Städte haben sich in den vergangenen Tagen im Kampf gegen COVID-19 entschieden, sogenannte «hot spots» wie beispielsweise Bushaltestellen zu desinfizie­ren. Unter welchen Bedingungen und mit welchen Risiken im Hinblick auf die Materialverträglichkeit können Desin­fektionsmittel in einer Kehrmaschine, einem Schwemm- oder Sprühfahrzeug eingesetzt werden? Wir haben nach­gefragt.

Die Liste unserer Kehrmaschinen, Schwemm- und Sprühfahr­zeuge mit Tanks, die in der Regel mit Wasser gefüllt sind, ist lang: Multigo, Swingo, Cleango, SK, CityJet, Straliq CityJet, Senior, Wasa, MSH und mehr. Unsere zuständigen Kollegin­nen und Kollegen hatten in den vergangenen Tagen neben dem Tagesgeschäft eine Vielzahl von Anfragen abzuklären, bei denen es um die Materialverträglichkeit ganz unterschied­licher Desinfektionsmittel ging. Offizielle Empfehlungen gibt es keine und so entscheidet grundsätzlich jede Behörde selb­ständig, ob und wenn ja welche Stoffe sie zur grossflächigen Desinfektion einsetzen will.

Auf die Frage, welche Stoffe denn bedenkenlos in unseren Maschinen eingesetzt werden können, hält uns Tobias Weissenrieder, bei der Aebi Schmidt Group für Produktmanagement und Entwicklung zuständig, einen Ausdruck einer langen Liste an Produkten und Stoffzusammensetzungen vor die Kamera in der Video­konferenz: «Viele Kunden möchten Viruzide oder auch Chlor einsetzen. Bei genauer Prüfung der Zusammensetzung stellt man aber schnell fest, dass höchstens die Namen ähnlich sind, aber kaum ein Produkt mit dem anderen vergleichbar ist». Unsere Sachverständigen haben in kurzer Zeit gelernt, dass Empfehlungen bezüglich der Materialverträglichkeit nur dann gemacht werden können, wenn die genaue Zusammen­setzung bekannt ist. Und die Liste der geprüften Produkte wird jeden Tag länger.

«Mit der Zeit erkennt man dann aber doch Muster in der Zu­sammensetzung der nachgefragten Wirkstoffe», sagt Tobias Weissenrieder. Er und sein Team haben die sechs gängigsten Wirkstoff-Be­standteile in drei Risikostufen eingeteilt (vgl. Tabelle unten). Dabei bezieht sich das Risiko auf mögliche Schäden an Komponenten einzelner Bauteile wie auch Komponenten davon (zum Beispiel Membranen oder Dichtungsringe).

In Abhängigkeit der Konzentration können grundsätzlich alle oben genannten Bestandteile eingesetzt werden. In der Regel sind die Tanks in den Maschinen aus Kunststoff gefertigt, in einzelnen Fällen aber auch aus Aluminium, Edelstahl oder Stahl. In jedem Fall aber gilt, dass nach einem Sprüheinsatz, spätestens jedoch nach einer Schicht die Tanks vollständig und ausreichend mit Frischwasser gespült werden müssen. Darüber hinaus sind beim Einsatz von Viruziden sowie Bioziden auch die Vorschriften des Wirkstoffherstellers zu be­achten.

Wenn Sie mit einer unserer Maschinen einen Einsatz mit Desinfektionsmittel planen, wenden Sie sich an Ihren An­sprechpartner bei Aebi Schmidt. Wir stehen Ihnen in Bezug auf die Materialverträglichkeit gerne mit Rat und Tat zur Seite und bewahren Sie vor unangenehmen Überraschungen nach einem Einsatz.